

Im ganzen Schönbuch zwischen Tübingen und Böblingen, besonders aber um Kirchentellinsfurt, Lustnau, Bebenhausen und Walddorf, ging lange Zeit ein grüner Jäger um, der durch allerlei Spuk die Leute schreckte. Man nannte ihn meist den Ranzenpuffer; aber auch andere Namen wurden ihm gegeben; so hieß er auch "Brüller" und "Reiter". Alte Leute erzählen, er sei einstmals Jäger auf dem Einsiedel gewesen und habe für sein gottloses Leben nach seinem Tod viele hundert Jahre geistweis gehen müssen.
Gewöhnlich kündigte sich der Jäger durch ein fürchterliches Gebrüll und Geschrei an. Einen besonderen Spaß machte er sich daraus, Schlafenden plötzlich dermaßen ins Ohr zu brüllen, daß sie wochenlang das Gehör verloren. Sogar in die Häuser kam er, stellte sich hinter die Bettlade und tat einen erbärmlichen Schrei. Wachten die Leute auf, lief er in Gestalt eines Schweines grunzend davon.
Er verwandelte sich überhaupt gern in Tiere aller Art. Oftmals schossen Jäger auf einen Hasen, konnten ihn aber nie treffen. Kein Wunder, - der Hase war kein anderer als der Ranzenpuffer.
Gefährlich war der Ranzenpuffer nur, wenn er sich auf seinem Schimmel zeigte. Der Schimmel war ein hohes, vortreffliches Pferd, das er sich aus dem Meer geholt hatte. .. Mit diesem Schimmel konnte der grüne Jäger in der Luft und auf dem Wasser wie auf der Erde reiten, und manchmal sprang der Schimmel so wütend, daßer Feuer ausschnob...
So war also bald die Figur der Narrenzunft gefunden: in Gestalt eines Jägers und mit Schweinemaske. Die Tierform des Schweins war noch aufdringlicher durch den alten Dorfnecknamen der Kirchentellinsfurter: die Sauen. Mit Sicherheit läßt sich dieser ableiten durch die hohe Anzahl an Schweineherden, die einst in und um Kirchentellinsfurt gehalten wurden. Doch auch eine weitere der vielen Geschichten zwang die Figur des Ranzenpuffers zum"Sauenkopf"...
Ranzenpuffer verwandelt sich oftmals in eine ganze Herde wilder Schweine. Eine solche traf einmal ein Feldhüter auf dem Wege und hetzte seinen Hund darauf. Weil aber der Hund einen roten Rachen hatte, so wollte er auf die Schweine nicht losgehen; denn nur die Hunde mit schwarzem Rachen fürchten sich vor Geistern nicht. Bald darauf stürzte sich die ganze Herde in ein kleines Talwasser und war verschwunden.
Nun zeigt sich die Figur des Ranzenpuffers eher als böser Geist, der gar schändlich umherging. Die Narrenzunft aber wollte lieber eine freundliche Figur, die den Leute keine Angst einjagt. So rang die Zunft dem Ranzenpuffer das Versprechen ab, daß wenn sie ihn zurück ins Bewußtsein der Leute holen würden, er unter seinesgleichen an der Fasnet niemandem ernsten Schaden zufügen möge, gar freundlich dreinschauen sollte und auch sonst eine lieber Kerl sein möchte. Nur reizen sollte man ihn nicht...